Paris–Roubaix Challenge 2026 – Mit Defekt durch die Hölle des Nordens
Zum zweiten Mal nach 2019 stand für mich in diesem April die Teilnahme an der legendären Paris–Roubaix Challenge auf dem Programm – ein Rennen, das seinem Ruf als „Hölle des Nordens“ mehr als gerecht wird. Mit 173 km 70 km weniger als die Profis, aber alle 30 Pavés. Eine Mischung aus Faszination, Härte und Geschichte – und genau das bekam ich wieder. Allerdings mit Hindernissen …
Bedingungen, Setup
Die Bedingungen waren typisch Roubaix: trocken, staubig und mit jeder Menge üblem Kopfsteinpflaster, das Mensch und Material alles abverlangt … und über das wir normalerweise nicht mit einem Rennrad fahren würden. Eher mit einem Cyclocrosser oder Gravelbike. Hier geht es aber um die Synthese aus Geschwindigkeit für 120 km Straße und optimalem Setup für die 56 km Pavés. Diese Jahr entschied ich mich für die Challenge Strada 30 mm, bau- und profilgleich mit den älteren Paris Roubaix 27 mm, nur eben 3 mm breiter. Die Profis, so sah ich am Vortag in TV, würden sogar bis zu 34 mm fahren, also alles, was in einen Rennnradrahmen so reingeht. Pogi sogar 38 mm Vorderrad.
Ansonsten dasselbe Rad wie 2029, Chinarahmen, Ultegra 10fach, 11-32.
Probleme nach dem Start
Schon früh im Rennen zeigte sich, dass es kein einfacher Tag werden würde. Direkt im ersten Pavé-Sektor (nach 11 km !) dann der erste Rückschlag: Speichenbruch am Vorderrad. Ein Defekt, der unter normalen Umständen das Aus bedeutet hätte. Aufgeben war jedoch keine Option. Also Speiche so hingebogen, dass sie das Laufrad nicht blockiert, ging es mit beschädigtem Vorderrad weiter – und das noch über die nächsten sechs Pavé-Sektoren, darunter auch anspruchsvolle Abschnitte mit drei und vier Sternen. Jeder Meter war ein Balanceakt zwischen Tempo, Materialschonung und der Hoffnung, dass das Laufrad durchhält. Gerade das Vorderrad ist auf den Pavés entscheidend, es bekommt die meisten Schläge ab und ist für Lenkung und Balance zuständig. Ein auf einem Pavé plötzlich kollabierendes Vorderrad kann zu einem bösen Sturz führen.
Die Erlösung kam an der ersten Verpflegungsstelle nach 41 km: Dort wartete Sabine bereits mit einem neuen Vorderrad. Ein kurzer Stopp von 7 min, schneller Wechsel – und plötzlich war der Kopf wieder frei für das eigentliche Erlebnis Roubaix.
Atmosphäre
Bei den Amatueren am Samstag herrscht bereits die einzigartige Paris-Roubaix-Atmosphäre, weil die Tausenden Fans bereits an der Strecke stehen bzw. mit ihren Campern lagern und bereits die Amateure genauso anfeuern wie am Folgetag die Profis. Und auch gelegentlich die Ränder der Pflaster sperren, damit man wirklich ÜBER das Pflaster und nicht daneben fahren muss …
Neuer Rhythmus
Mit neuem Material lief es deutlich besser. Der Rhythmus stellte sich wieder ein, die berüchtigten Kopfsteinpflasterpassagen wurden flüssiger, und auch die Straßenabschnitte dazwischen konnten genutzt werden, um Zeit gutzumachen. Trotz der frühen Probleme blieb die Motivation hoch – nicht zuletzt wegen der einzigartigen Atmosphäre entlang der Strecke.
176 km können aber endlos lang werden, wenn sie immer wieder durch Kopfsteinpassagen unterbrochen werden, die dir jedes Körnchen Kraft aus den Beinen ziehen. Ziel ist es normalerweise möglichst schnell, also mit 28-20 km/h über die Pasagen zu donnern, um quasi über die größten Löcher drüberzufliegen. Aber spätestens nach der Hälfte der Pavé fliegt garnichts mehr. Am Ende habe ich noch mit Mühe und Not 15-20 km/h geschafft, und damit holpert man gnadenlos über die Sektoren. Von den 5 Sterne Pavés ging der berüchtigte Troué d´ Arenberg (wo MvP am Folgetag zwei Defekte auf 100 m hatte und dadurch das Rennen verlor …) nach 80 km noch eingermaßen flüssig. Am Carrefour de l´Arbre nach 155 km ging schon fast nichts mehr und ich hoppelte die endlosen 2,7 km über die kopfgroßen Steine.
Am Ende noch ein Regenguss, aber da war Roubaix schon fast erreicht.
Velodrome das letze Mal
Das absolute Highlight wartete wie immer am Ende: die Einfahrt in das Velodrom von Roubaix. Nach 7 Stunden und 16 Minuten überquerte ich die Ziellinie – erschöpft, aber mehr als zufrieden. Gerade unter den gegebenen Umständen fühlt sich dieses Ergebnis besonders wertvoll an. 7 min schneller als 2019. Aber wohl das letzte Mal, denn diese Schmerzen würde ich gerne zukünftig vermeiden …
Fazit
Paris–Roubaix bleibt ein Ausnahmeerlebnis. Defekte, Staub, Pavé – genau das macht den Reiz aus bei Amateuren wie Profis. Und manchmal sind es gerade die unerwarteten Herausforderungen, die ein Rennen unvergesslich machen.
Aber: es ist hart. Härter als man denkt.
Wer Lust darauf hat: ich kann es nur empfehlen. Mit spezifischer Vorbereitung und adäquatem Setup eine harte Herausforderung, aber machbar.











